PKV Tarifwechsel
PKV Tarifwechsel
 

PKV Tarifwechsel: Wie Sie richtig sparen

Privat Krankenversicherte müssen 2016 mit steigenden Beiträgen rechnen, schreibt die Zeitschrift ÖKO-TEST in ihrer August-Ausgabe, und zeigt auf, wie Vollversicherte in der PKV ganz konkret gegensteuern können.

 

§ 204 Versicherungsvertragsgesetz (VVG) gibt privat Vollversicherten schon seit 2009 das Recht, ihren Beitrag zu senken, indem sie - unter Mitnahme der angesparten Altersrückstellungen - in vom Leistungsniveau vergleichbare, aber günstigere Tarife ihres Anbieters wechseln = PKV Tarifwechsel §204 VVG

 

Doch viele Versicherer haben es den Kunden lange Zeit nicht leicht gemacht. Etwa indem sie Anfragen liegen ließen, nur wenige Tarife mit schlechteren Leistungen anboten, neue Gesundheitsprüfungen verlangten oder Tarife nur mit Preisangabe aber ohne Leistungsbeschreibungen zur Verfügung stellten. Nach massiver Kritik hat die PKV-Branche eine Initiative ins Leben gerufen, um den Tarifwechsel ab 2016 kundenfreundlicher zu gestalten.

 

Kurz vor Start der Initiative fordert die Deutsche Aktuarvereinigung (DAV), "die Anrechnung der Altersrückstellungen beim Tarifwechsel zu begrenzen, um die Beitragsentwicklung zu stabilisieren". Das zeigt laut ÖKO-Test, dass der Tarifwechsel ein Problem für die Branche darstellt. Denn die Kosten für die Gesundheitsversorgung steigen stetig. Weil die Deutschen immer älter werden. Und weil die Zahl der chronisch Kranken zunimmt. Das spüren die gesetzlichen Krankenkassen wie private Krankenversicherer gleichermaßen.

 

Um konkurrenzfähig zu bleiben, brauchen sie neue Kunden - am besten junge, gesunde Gutverdiener. Die wechseln aber nur bei günstigen Tarifen in die PKV. Deshalb werden immer wieder neue PKV-Tarife aufgelegt. Wenn nun immer mehr Altversicherte mit hohen Risiken in diese neuen Tarife wechseln, explodieren auch hier die Kosten - und für potenzielle Neukunden wird der Wechsel aus der gesetzlichen in die private Krankenversicherung unattraktiv. Die PKV-Branche sieht sich infolge des politischen Drucks zwar in der Pflicht, mehr Tarifwechsel-Service zu bieten, sieht laut ÖKO-TEST aber das System der privaten Krankenversicherung durch verstärkten Tarifwechsel bedroht.

 

Ob die DAV sich mit ihrer Forderung durchsetzt oder nicht: Alle privaten Krankenversicherten sollten ihren Tarif schnellstens überprüfen, denn Ende 2015 drohen spürbare Beitragserhöhungen in den Alt-Tarifen. Das hat die PKV-Branche bereits angekündigt. Denn die niedrigen Zinsen am Kapitalmarkt führen zu schrumpfenden Altersrückstellungen. Hinzu kommen gestiegene Arznei- und Krankenhauskosten.

 

Die wieder anziehende Beitragsspirale trifft v. a. ältere Kunden, die nach zwei oder drei Jahrzehnten in der PKV nicht selten 600 bis 800 Euro Monatsbeitrag zahlen. Viele können das kaum noch stemmen und würden gerne zurück in die gesetzliche Krankenversicherung. Das ist aber nur Versicherten möglich, die noch keine 55 Jahre alt sind und deren Einkommen ein Jahr lang unter der Versicherungspflichtgrenze von derzeit 54.900 Euro lag. Allen anderen bleibt nur, ihren Beitrag durch einen Tarifwechsel oder die Erhöhung des Selbstbehalts zu senken.

 

ÖKO-TEST hat für einen Mustermann und eine Musterfrau, beide 55 Jahre alt, berechnet, wie viel Monatsbeitrag durch einen Tarifwechsel oder eine Erhöhung des Selbstbehalts eingespart werden kann. Dazu wurden 120 Tarifkombinationen von 20 marktführenden privaten Versicherern betrachtet. Alle Beispiele unterstellen, dass der jeweilige Kunde seit 15 Jahren bei seinem Versicherer ist und den ursprünglich gewählten Tarif noch nie gewechselt hat.

 

Das ermittelte Sparpotenzial lässt sich aber nicht eins zu eins auf reale Kunden übertragen. Denn in der Praxis hängen Höhe der Altersrückstellungen und Sparpotenzial vom individuellen Versicherungsverlauf ab. Deshalb können die Testergebnisse nur als Beispiel dienen, wie viel Beitragssenkung möglich und was beim Wechsel alles zu beachten ist.

 

Die ÖKO-TEST-Ergebnisse der Tarifoptimierung im Detail

Bei der AXA mit Leistungsreduzierung monatlich gut 283 Euro sparen: Die größte Einsparung kann meist mit einem Tarifwechsel erzielen werden. Der Mustermann kann zum Beispiel jeden Monat bis zu 283,17 Euro sparen, wenn er bei der AXA aus dem Baustein-Tarif AM (100), K2, Z100S auf den Tarif VITAL 250, VITAL-Z umsteigt. Mit dem Tarifwechsel spart er jedoch nicht nur Beiträge ein, sondern reduziert auch seinen Versicherungsschutz.

 

Im neuen Tarif werden die Kosten für Heilmittel nur noch zu 90 Prozent und für Heilpraktiker-Leistungen nur bis 1.000 Euro pro Jahr übernommen. Darüber hinaus sind die Leistungen für Zahnersatz und Kieferorthopädie auf 75 Prozent reduziert. Beim Zahnersatz gilt das jedoch nur, wenn der Kunde die letzten drei Jahre keine regelmäßigen Kontrolluntersuchungen nachweist. Doch wer auf diese Leistungen verzichten kann, spart als Mustermann ganze 3.396 Euro pro Jahr.

 

Frauen sparen bis zu 291 Euro im Monat, wenn sie erst zum Hausarzt gehen. Frauen bringt der Umstieg vom AM (100), K2, Z100S auf den Tarif VITAL 250, VITAL-Z mit 68 Euro im Monat deutlich weniger Ersparnis als dem Mann. Dafür profitieren Frauen bei der AXA, wenn sie aus dem Tarif 140-N,342-N, Z100S-N auf den Kompakt-Tarif EL-N,KG2-N umsteigen. In diesem Fall reduziert sich der Beitrag sogar um 291 Euro im Monat.

 

Der Wechsel führt aber zu deutlichen Leistungseinbußen, da im Kompakt-Tarif weder Psychotherapie noch Heilpraktiker-Leistungen übernommen werden. Zahnersatz und Kieferorthopädie sind außerdem auf 60 Prozent reduziert. Und das volle Facharzthonorar übernimmt der Versicherer nur dann, wenn vorab immer erst der Hausarzt aufgesucht wird (Primärarztprinzip).

 

Dieses Beispiel zeigt schon, wie individuell das Einsparpotenzial beim Tarifwechsel ist - und dass Wechselwillige nicht nur auf die Ersparnis schielen sollten, sondern sich immer auch die Leistungsunterschiede aufzeigen lassen müssen. Nur so kann vernünftig geprüft werden, ob und wann ein Wechsel sich wirklich lohnt.

 

Nur geringe Leistungseinbußen, aber weniger Ersparnis bei der SDK: Bei der SDK kann die 55-jährige Musterfrau 200 Euro Monatsbeitrag sparen, wenn sie aus dem Baustein-Tarif A103, S101, AZ75 auf den Baustein-Tarif A75, S101, ZS75 umsteigt. Allerdings ist auch dieser Wechsel mit Leistungs-einbußen verbunden. So ist der Selbstbehalt beim neuen Tarif um 320 Euro auf 650 Euro pro Jahr erhöht. Das ist bei der berechneten Ersparnis aber schon berücksichtigt. Die Kundin muss nach dem Tarifwechsel aber auch auf Heilpraktiker-Leistungen verzichten und die Leistungen für Psychotherapie sind auf 20 Sitzungen pro Jahr begrenzt.

 

Versicherer können das Sparpotenzial deckeln: Wer mit abgespeckten Leistungen leben kann, spart bei der SDK auch als Mann 163 Euro im Monat. Das gilt aber nur, wenn die gebildeten Alterungsrückstellungen beim Wechsel vollumfänglich beitragsmindernd berücksichtigt werden - was der Versicherer nicht muss. Der Kunde kann nur verlangen, dass der Beitrag im neuen Tarif bis auf jene Prämie reduziert wird, die er als Neukunde mit ursprünglichem Eintrittsalter zahlen müsste. Im Beispiel wäre das der Neukundenbeitrag eines 40-Jährigen. Macht der Versicherer von seinem Recht zur Deckelung der Beitragsersparnis Gebrauch, ist der Vorteil beim Tarifwechsel geringer.

 

Das ist zum Beispiel bei der DKV der Fall: Bei einem Wechsel aus dem Baustein-Tarif AD1, SD2, ZD3 auf den neueren Kompakt-Tarif Optimed O1P+K2B spart der 55-jährige Mustermann 266 statt möglicher 352 Euro. Die nicht verbrauchten Alterungsrückstellungen gehen jedoch nicht verloren, sondern federn Beitragsexplosionen im Neu-Tarif ab.

 

Günstige Neu-Tarife: Um Beitrage zu sparen, müssen Privatpatienten nicht unbedingt gravierenden Leistungseinbußen hinnehmen. Denn oft hat der Versicherer auch neuere günstige Tarife mit Erste-Klasse-Schutz im Angebot. Die Ersparnis ist dann zwar nicht so hoch wie bei abgespeckter Leistung. Unter dem Strich lohnt der Wechsel in einen gleichwertigen Tarif aber oft noch mehr.

 

Durch Umstieg auf Unisex bei der Continentalen bis 129 Euro sparen: Frauen können bei der Continentalen 129 Euro Monatsbeitrag sparen, wenn sie aus dem alten Baustein-Tarif SB 500, S IV/2, Z5 auf den neuen Tarif Business umsteigen. Der enthält zwar keine Leistungen für ambulante Kuren mehr und bei Zahnersatz- und Kieferorthopädie-Leistungen über 2.000 Euro muss die Versicherte einen Heil- und Kostenplan vorlegen. Doch in allen anderen Punkten weist der Business-Tarif sogar bessere Leistungen als der alte Baustein-Tarif auf. Theoretisch kann der Versicherer deshalb eine neue Gesundheitsprüfung verlangen. Das muss die Kundin aber nicht akzeptieren. Sie kann einfach auf die Mehrleistungen verzichten.

 

Einziger Nachteil: Beim Business-Tarif handelt es sich um einen Unisex-Tarif, bei dem Männer und Frauen für gleiche Leistungen gleiche Beiträge zahlen. Das ist seit Ende 2012 für Neu-Tarife so vorgeschrieben - und muss kein Nachteil sein, wie das Beispiel zeigt.

 

Aber Achtung: Wer als Bestandskunde in einen neuen Unisex-Tarif wechselt, kann später nie mehr zurück in die alte Tarifwelt mit geschlechtsspezifisch kalkulierten Tarifen (Bisex-Tarife). Das kann im Alter zum Problem werden, wenn man sich den teuren Komfortschutz vielleicht nicht mehr leisten kann. Denn der Weg zurück in den Standard-Tarif, den günstigsten Sozial-Tarif in der PKV, ist beim Umstieg auf Unisex versperrt, weil es sich beim Standard- um einen Bisex-Tarif handelt.

 

Deswegen gilt: Unisex-Tarife sind zwar oft attraktiv - vor allem für Frauen. Wechseln sollten sie in Unisex-Tarife aber nur dann, wenn sie ganz sicher dauerhaft im Neu-Tarif bleiben wollen. Wer als Bestandskunde noch nicht weiß, ob er sich hochwertigen PKV-Schutz auch als Rentner leisten kann, sollte bis dahin in der Bisex-Tarifwelt bleiben. Sind die finanziellen Verhältnisse zu Rentenbeginn geklärt, ist ein Wechsel immer noch möglich.

 

Immerhin 95 Euro weniger zahlen durch den Umstieg in Bisex-Tarife: Auch in der alten Bisex-Welt gibt es genug Wechselmöglichkeiten ohne oder nur mit geringen Leistungseinbußen. Bei der DKV profitiert der 55-jährige Mustermann zum Beispiel beim Umstieg vom Baustein-Tarif AM2, SM6, ZM3 auf den Kompakt-Tarif Vollmed M4-BR1 von immerhin gut 95 Euro Ersparnis. Die 55-jährige Musterfrau würde monatlich über 50 Euro sparen.

 

Der Selbstbehalt steigt dann allerdings von 900 Euro auf 990 Euro und gilt auch für Zahnarzt und Krankenhaus. Das ist bei Ermittlung der monatlichen Ersparnis aber bereits berücksichtigt. Außerdem wird Kieferorthopädie nur noch bei Unfällen bezahlt, Logopädie-Leistungen werden nicht übernommen und für Psychotherapie werden nur 80 Prozent vom Versicherer getragen. In anderen Bereichen bleiben die Leistungen jedoch gleichwertig, teilweise liegen sie beim Neu-Tarif sogar höher.

 

Höherer Selbstbehalt im neuen Tarif unproblematisch: Bei der Nürnberger Versicherung zahlt sich der Wechsel vom Baustein-Tarif A006, S001, Z001 in den Kompakt-Tarif 821, 824 für Gesunde noch stärker aus. Denn ohne Berücksichtigung des von 360 im neuen Tarif auf 1.600 Euro erhöhten Selbstbehalts sinkt der Monatsbeitrag für den Mustermann um stolze 36,4 Prozent auf 458 Euro.

 

Bei der Musterfrau sinkt der Monatsbeitrag immerhin um knapp 30 Prozent auf 500 Euro. Auch unter Anrechnung des erhöhten Selbstbehalts bleiben immer noch 159 Euro Ersparnis für den Mann und 141 Euro für die Frau - obwohl die Nürnber die Anrechnung der aufgebauten Altersrückstellungen beim Mann gedeckelt hat.

 

Höherer Selbstbehalt im alten Tarif lohnt nicht: Die reine Erhöhung des Selbstbehalts im abgeschlossenen Tarif lohnt sich nur selten. Die Ersparnis sieht auf den ersten Blick manchmal üppig aus. Aber bei Krankheit müssen die Kunden erst einmal tief in die eigene Tasche greifen, bevor auch der Versicherer zahlen muss.

 

In den von ÖKO-TEST untersuchten Musterfällen mit erhöhtem Selbstbehalt waren maximal 163 Euro anfängliche Ersparnis pro Monat drin. Oft kommt aber auch nur eine Ersparnis von 20 bis 70 Euro im Monat heraus. Der Vorteil hält zudem selten lange. Denn bei künftigen Beitragssteigerungen sind die Versicherten weiter kräftig dabei. Nicht selten ist der Monatsbeitrag vier bis fünf Jahre nach der Umstellung schon wieder genauso hoch wie vorher, nur der Selbstbehalt hat sich verdoppelt oder verdreifacht. Den SB zu erhöhen, ist wirtschaftlich selten sinnvoll.

 

Höhere Beiträge, mehr Zuschuss vom Arbeitgeber: Bei Angestellten bringt die Erhöhung des Selbstbehalts außerdem eher Nach- als Vorteile. Denn ihr Arbeitgeber muss sich nur zu maximal 50 Prozent am gezahlten Monatsbetrag beteiligen - und zwar mit höchstens 301,13 Euro pro Monat -, nicht aber am höheren Selbstbehalt. Folglich gilt: Halbiert sich der Beitrag durch die Selbstbehaltserhöhung, sinkt der Betriebszuschuss entsprechend.

 

Von der Einsparung bleibt daher oft kaum etwas übrig. Die Erhöhung des Selbstbehalts lohnt eigentlich nur für gesunde Selbstständige, die ihre Prämien alleine schultern müssen. Aber auch diese Gruppe sollte die Erhöhung des Selbstbehalts abwägen. Denn wer den Selbstbehalt später wieder reduzieren oder in einen leistungsstärkeren Tarif wechseln will, kommt vom hohen Selbstbehalt oft nicht mehr runter. Der Versicherer stuft nämlich beides als Leistungserhöhung ein. Und Voraussetzung dafür ist eine erneute Gesundheitsprüfung.

 

Kranke zahlen schnell drauf: Für nicht gesunde Kunden kann die Erhöhung des Selbstbehalts sogar von Anfang an nach hinten losgehen. Auf den ersten Blick sinkt zwar der Monatsbetrag. Addiert man aber die Kosten dazu, die der Versicherte nun aus eigener Tasche zahlen muss, stellt sich bisweilen heraus, dass die Umstellung fast keine Einsparung bringt. Oder sie ist so gering, dass sie schon bei der nächsten Beitragsanpassung verloren geht.

 

Tarifwechsel statt Erhöhung des Selbstbehalts: Die Beispiele zeigen, dass die meisten Wechselwilligen mit einem Tarifwechsel besser fahren als mit einer Erhöhung des Selbstbehalts - auch wenn der Umstieg nicht vor künftigen Beitragsanpassungen schützt. Im Gegenteil: Prozentual fallen Beitragserhöhungen oft höher aus. Privatpatienten sollten sich trotzdem nicht von den Warnungen der Versicherer vor künftig höheren Beitragssteigerungen fehlleiten lassen - netto ist nach einem gelungenen Umstieg auch in den Folgejahren deutlich mehr Geld übrig. Vorausgesetzt der Versicherte greift zu einem Tarif, bei dem nur der Preis, nicht aber die Leistung reduziert wird. Den zu finden, ist das A und O beim Tarifwechsel.

 

Beratungshaftung

 

Der Tarif- oder Anbieterwechsel ist ein schwieriges und beratungs-intensives Thema. Denn beim Umstieg drohen etliche Stolperfallen. Gut zu wissen, dass jeder Berater, Makler oder Tarifwechsel-Optimierer die umfassende Beratung mit einem Beratungsprotokoll dokumentieren muss. Das Protokoll sollten Kunden sorgfältig durchlesen, auf Korrektheit prüfen - und niemals unterschreiben, auf Beratung verzichtet zu haben. Denn alle durch den Wechsel entstehenden Nachteile müssen hier dokumentiert sein.

 

Fertigt ein "Beitragsoptimierer" kein Protokoll an, haben Kunden, die sich falsch beraten fühlen, gute Chancen auf Schadensersatz. Das gilt aber auch bei Maklern, die den Kunden zum Anbieterwechsel drängen, statt eine Tarif-Umstellung vorzunehmen, und verschweigen, dass der Kunde dabei seine angesparten Altersrückstellungen verliert.

 

Auch die Umdeckung aus einem alten Bisex-Tarif in einen neuen Unisex-Tarif kann ein Beratungsverschulden darstellen, wenn dabei verschwiegen wird, dass eine Rückkehr zu Bisex-Tarifen - und damit auch in den Standard-Tarif - anschließend nicht mehr möglich ist.

 

Die Sozial-Tarife in der PKV

 

Der Basis-Tarif: Seit 2009 müssen die privaten Krankenversicherer einen sogenannten Basis-Tarif anbieten, der sich an den Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen orientiert. In diesem Tarif müssen alle Berechtigte ohne Gesundheitsprüfung aufgenommen werden. Berechtigt sind freiwillig Versicherte in den gesetzlichen Kassen und privat Versicherte, die ihren Vertrag nicht vor 2009 abgeschlossen haben.

 

Ältere Bestandskunden können in den Basis-Tarif wechseln, wenn sie hilfebedürftig im Sinne des Sozialrechts werden oder 55 Jahre und älter sind bzw. als Ruheständler und Rentner. Der Beitrag ist auf den Höchstbetrag in der GKV begrenzt. Das sind derzeit 639,38 Euro. Für Versicherte, die Hartz-IV-Leistungen beziehen, wird dieser Beitrag um die Hälfte reduziert. Wer als Bestandskunde in den Basis-Tarif seiner Gesellschaft wechselt, mindert seinen Beitrag jedoch genau wie beim Tarifwechsel um seine Altersrückstellungen.

 

Das Problem: Die kalkulatorische Beitrag der Versicherer im Basis-Tarif liegt - vor allem für ältere Kunden - oft weit über dem gesetzlichen Höchstbeitrag. Doch dadurch entfällt die Anrechnung der Rückstellungen oder sie ist zumindest sehr gering. Die Leistungen im Basis-Tarif können zwar bei Bedarf durch Zusatzpolicen aufgestockt werden, zum Beispiel für die Behandlung als Privatpatient im Ein- oder Zweibettzimmer im Krankenhaus. Das lohnt sich aber selten. Denn der Basis-Tarif wird dadurch häufig teurer als der Alt-Tarif - bei deutlich geringeren Leistungen.

 

Der Standard-Tarif: Ältere Kunden in der privaten Krankenversicherung steht auch der sogenannte Standard-Tarif offen. Er bietet ebenfalls nur einen Schutz, der dem GKV-Niveau ähnlich ist und maximal den GKV-Höchstsatz kosten darf. Weil aber keine Kunden ohne Gesundheitsprüfung aufgenommen werden müssen, liegt der Beitrag deutlich niedriger als beim Basis-Tarif.

 

In den Standard-Tarif können nur Privatversicherte ab 65 Jahren wechseln, die schon vor 2009 bei ihrer PKV versichert waren und mindestens zehn Jahre Vorversicherungszeit nachweisen können. Eine Ausnahme gilt für Versicherte ab 55. Sie können in den Standard-Tarif wechseln, wenn ihr Einkommen unter der Versicherungspflichtgrenze in der gesetzlichen Krankenkasse liegt.

 

Da angesparte Alterungsrückstellungen auch beim Umstieg in den Standard-Tarif beitragsmindernd angerechnet werden, bietet dieser Tarif unter dem Strich meist den niedrigsten Beitrag im Alter. Anders als beim Basis-Tarif kann das Leistungsniveau aber nicht durch Zusatzversicherungen aufgestockt werden.

 

Die ÖKO-TEST-Tipps für die Planung der Tarifoptimierung

1. Alt-Tarif prüfen

Üblicher Weise wollen privat Krankenversicherte mit Hilfe eines Tarifwechsels vor allem Beiträge sparen. In der privaten Krankenversicherung gibt es aber keine standardisierten Leistungskataloge. Das Leistungsspektrum variiert je nach Tarif. Deshalb muss erst einmal der Alt-Tarif auf verzichtbare Leistungen unter die Lupe genommen werden. Bei Baustein-Tarifen reicht es manchmal, einzelne Bausteine auszutauschen. So spart allein der Umstieg vom Einbett- aufs Zweibettzimmer im Krankenhaus viel Geld. Auch reduzierte Leistungen beim Zahnersatz schlagen sich spürbar in einer Beitragsersparnis nieder.

 

2. Unisex oder Bisex?

Seit Ende 2012 dürfen in Deutschland nur noch Unisex-Tarife verkauft werden Männer und Frauen zahlen darin für gleiche Leistungen auch gleiche Beiträge. Alle bis dahin angebotenen geschlechtsspezifisch kalkulierten Tarife (Bisex-Tarife) sind seither für das Neugeschäft geschlossen. Bestandskunden können aber weiterhin sowohl in alle alten, geschlossenen Bisex-Tarife wechseln als auch in die neuen Unisex-Tarife. Der Wechsel zurück von Unisex zu Bisex ist dagegen nicht möglich.

 

3. Wunschtarif wählen

Wer seine Versicherung selbst um ein günstigeres Angebot bittet, wird nicht immer das optimale Sparangebot bekommen. Daran wird die neue Selbstverpflichtung der Branche zu mehr Transparenz beim Tarifwechsel wenig ändern. Denn die Versicherer können die Kunden in gewünschte Tarife lenken. Deshalb hilft oft nur ein Trick: Verlangen Sie erst einen Gesamtüberblick der Ihnen offenstehenden Tarife - mit Leistungs-beschreibungen und Preisen. Suchen Sie darin nach Ihrem Wunsch-Tarif. Anschließend fordern Sie dann ihren Krankenversicherer auf, Ihnen genau für diesen Tarif ein Wechselangebot zu machen.

 

4. Leistungen vergleichen

Optimal ist ein Umstieg, wenn der neue Tarif gleichwertige Leistungen wie der alte zum günstigeren Preis bietet. Doch alte und neue Tarife sind fast nie eins zu eins vergleichbar. Deshalb gilt es, nicht nur die Preise, sondern auch die Leistungen von Alt- und Neu-Tarif sorgfältig zu vergleichen. Bietet der gewünschte Neu-Tarif mehr Leistungen als der alte, können die Versicherer dieses Leistungsplus von einer erneuten Gesundheitsprüfung abhängig machen - was Altkunden mit Vorerkrankungen häufig abschreckt. Was viele nicht wissen: Auf Mehrleistungen kann der Kunde auch verzichten. Dann muss der Versicherer dem Wechsel auch ohne Gesundheitsprüfung oder Risikozuschlag zustimmen.

 

5. Hier finden Sie Expertenrat

Der PKV-Tarifwechsel-Beratung ist in den letzten Jahren zu einem lukrativen Geschäft für Versicherungsvermittler geworden. Als Honorar wird oft das Sechs- bis Zwölffache der monatlichen Ersparnis verlangt. Kein Wunder, dass bei dem Geschäft nicht immer das Wohl des Kunden im Vordergrund steht. Der Bund der Versicherten sieht die erfolgsabhängige Tarifwechselberatung daher kritisch und rät, sich ausschließlich an qualifizierte Makler oder Versicherungsberater zu wenden, die auf Honorarbasis arbeiten.

 

Rückstellungen als Alterspolster

Bei einem Tarifwechsel innerhalb der Gesellschaft sind die Versicherer nicht dazu verpflichtet, die Altersrückstellungen komplett zur Beitragsreduzierung im Neu-Tarif einzusetzen. Sie dürfen die Anrechnung so weit begrenzen, dass die Prämie im neuen Tarif nicht unter den Beitrag von Neukunden im ursprünglichen Eintrittsalter des Versicherten sinkt. Darüber hinausgehende Rückstellungen bleiben als Polster zur Beitragsreduzierung im Alter erhalten.

 

Weitere Deckelung der Ersparnis durch Tarifwechsel?

Die DAV möchte die Beitragsersparnis noch weiter deckeln, da die Beitragsersparnis bei einem Tarifwechsel vor allem ein einmaliger Effekt sei. Denn bei Beitragserhöhungen im neuen Tarif wird der Wechselkunde mit dem gleichen Eurobetrag zur Kasse gebeten wie der Bestandskunde. Prozentual fällt die Erhöhung aber noch viel üppiger aus, weil der Wechselkunde infolge der Altersrückstellungen ja nur einen reduzierten Beitrag zahlt.

 

Daher fordert die DAV, die Anrechnung von Altersrückstellungen im Neu-Tarif begrenzen zu können, damit Bestands und Wechselkunden gleich viel zahlen. Das würde sich laut DAV "kollektivstabilisierend auswirken und zusätzliche Mittel für Beitragsstabilisierungen ab 65 Jahren generieren". Für die Kunden würde ein Tarifwechsel dadurch allerdings wesentlich unattraktiver.

 

Wer seinen Tarif schnellstmöglich prüft und nach eingehendem Check, am besten unterstützt durch fachmännische Expertise, ggf. wechselt, ist aber auf der sicheren Seite.


Anrufen

E-Mail